Fakt: Mehr als 50% des BIP stammen aus Handel und Dienstleistungen — und dennoch steht das Land 2025 vor einem harten Belastungstest.
Die ökonomische Struktur zeigt klare Tragbalken: Energieexporte, verarbeitende Industrie und Bau dominieren.
Seit dem Beginn der Invasion und den folgenden Sanktionen stiegen die Zinsen sprunghaft an. Die Zentralbank hob den Leitzins auf 21% und senkte ihn bis Juli 2025 auf 18%.
Wachstum, Inflation und Zinsen geben ein widersprüchliches Bild. 2023 lag das Wachstum bei 3,6%, doch seit Anfang 2024 verlangsamt sich die Dynamik.
Dieser Text liefert kompakte Informationen zum Stand der russische wirtschaft, erklärt Folgen für Handel und Konsum und leitet in tiefere Analysen zu Sektoren und Sanktionen über.
Mehr Hintergrund zur Analyse und zum Autorenteam finden Leser auf unserer Über-uns-Seite.
Wesentliche Erkenntnisse
- Die Dienstleistungs- und Handelsseite trägt über die Hälfte des BIP.
- Hohe Zinsen und Sanktionen prägen das Jahr 2025.
- Wachstum blieb 2023 stark, 2024–2025 zeigt sich Abschwächung.
- Energiestandorte und Industrie sind Schlüsselrisiken bei Schocks.
- Reallöhne und Preise beeinflussen Konsum und regionale Entwicklung.
Struktur und Ausgangslage: Sektoren, Energieabhängigkeit und die Rolle des Staates
Mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts entfällt auf Handel und Dienstleistungen. Dieser hohe anteil erklärt, warum Konsum und Binnenhandel das Wachstum prägen.
Sektoraler Aufbau
Die verarbeitende Industrie liegt bei rund 15 %, der Bergbau bei etwa 10 %. Bau und Immobilien steuern circa 18 % bei, die Landwirtschaft rund 4 %.
Die Zahlenspannweite zeigt, dass Industrie und Bergbau kleiner sind als oft erwartet. Diese Struktur beeinflusst die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks.

Energie als Rückgrat
Das Land ist ein großer Produzent von Erdgas und erdöl. Exporterlöse aus erdöl stützen den Staatshaushalt und wirken über den ölpreis direkt auf den rubel.
Preisschwankungen führen zu starken Terms-of-Trade-Effekten. In Boomphasen stabilisieren Einnahmen, in Abschwüngen verstärken sie Wachstumseinbrüche.
Staatsgelenkte Ökonomie
Seit 2007 bündeln Staatsholdings zentrale Firmen. Diese rolle vergrößert Flexibilität in Krisen, birgt aber Effizienzrisiken.
Die russische zentralbank intervenierte mehrfach, um Banken und Währung zu stützen. Die historische entwicklung seit 2014/15 zeigt, wie Sanktionen und Ölpreisverfall den Kurs beeinflussten.
Internationale beziehungen prägen Zugang zu Technologie und Finanzierung. Eine stärkere Ausrichtung nach China kompensiert Verluste in anderen Märkten.
- Fazit: Hohe Dienstleistungsanteile, starke Abhängigkeit von erdöl-Erlösen und staatliche Steuerung bestimmen die Ausgangslage.
russland wirtschaft
Seit der Vollinvasion formte sich eine Kriegsökonomie, die 2022–2025 viele Bereiche stark veränderte.
Kriegsökonomie 2022–2025: Rüstungsproduktion, Rekrutierung und staatliche Nachfrage
Der Nachfrageimpuls durch staatliche Aufträge summierte sich bis 2024 auf rund 10% eines Jahres-BIP. Die Industrieproduktion stieg besonders in rüstungsnahen Segmenten; »Sonstige Metallerzeugnisse« nahezu verdreifacht.

Militärausgaben auf Rekordniveau
Militärausgaben lagen 2024/2025 bei etwa 7–8% des BIP. Der Verteidigungshaushalt für 2025 ist auf 13,5 Bio. RUB (+≈25%) geplant.
„Der massive Etat schuf zusätzliche Schichten, neue Fertigungslinien und regionale Produktionsbooms.“
Arbeitskräftemangel und Lohnanstieg
Seit 2023 wurden rund 520.000 neue Arbeiter in der Rüstungsindustrie eingestellt; etwa 160.000 Stellen blieben unbesetzt. Rekrutierung brachte 540.000 neue Soldaten 2023 und weitere 190.000 bis Juli 2024.
Prämien stiegen teils in die Millionen Rubel (z. B. Nischni Nowgorod 2,6 Mio. RUB). Die Arbeitslosigkeit fiel auf 2,4%, Löhne stiegen 2024 um etwa 19%.
- Kurzfristig stärkt der Anstieg die Kaufkraft der Bevölkerung.
- Mittelfristig erhöht er den Kostendruck auf Unternehmen und bremst weitere Produktionsgewinne.
Für Rückfragen und lokale Analysen steht die Kontaktseite zur Verfügung.
Makroindikatoren 2025: BIP, Inflation, Rubel und Leitzins zwischen Überhitzung und Abkühlung
Im Jahr 2025 lassen BIP, Preise und Zinsen ein uneinheitliches Bild erkennen. 2023 wuchs das BIP noch um 3,6%, doch die Zentralbank erwartet für 2025 nur 0,5–1,5% statt der geplanten 2,5% im Haushalt.
Wachstumstrend im Vergleich
Gegenüber vorjahr zeigt sich ein klarer Abkühlungseffekt. Viele Effekte von Basiseffekten nach der Vollinvasion verlieren an Schwung.
Frühindikatoren wie der S&P PMI signalisieren seit Beginn 2024 eine rückläufige Produktion. Das ist die erste Schrumpfungstendenz seit 2022.
Inflation und Geldpolitik
Die Kerninflation lag annualisiert im Oktober 2024 bei 9,7%. Trotz der starken Leitzinsanhebungen (von 7,5% im Juli 2023 auf 21% im Nov. 2024) blieb der Druck auf Preise hoch.
Im Juli 2025 senkte die Notenbank den Leitzins auf 18%. Die Verzögerungseffekte bedeuten, dass Kredite und Hypotheken weiterhin teuer bleiben.

Öffentliche Finanzen und Folgen für Unternehmen
Das Fiskaldefizit lag bei rund 2% des BIP. Für 2025 sind Steuererhöhungen bei Einkommen und Unternehmensgewinnen sowie höhere Importabgaben geplant.
Der Nationale Wohlfahrtsfonds (NWF) dämpft kurzfristig Finanzierungsbedarf, doch sinkende Sozialausgaben und variable Schulden erhöhen die Risiken.
| Indikator | 2023 | 2024 (Tendenz) | 2025 (Ausblick) |
|---|---|---|---|
| BIP-Wachstum | +3,6% | Abkühlung durch Basiseffekte | 0,5–1,5% (CBR) |
| Kerninflation | — | ≈9,7% (Okt 2024) | weiter hoch, aber moderierend |
| Leitzins | 7,5% (Jul 2023) | 21% (Nov 2024) | 18% (Jul 2025) |
| Arbeitsmarkt / Bau | Arbeitslosigkeit 2,4% / Löhne +19% | Hypotheken >30% bremsen Bau | Investitionszurückhaltung, regionale Effekte |
„Hohe Zinsen stabilisieren den Rubel kurzfristig, belasten aber Investitionen und das Bauwesen.“
Kurzfristig drohen Stagflationsrisiken: niedrigeres Wachstum bei weiterhin hoher inflation. Mittelfristig könnten BIP, Preise und Rubel in engen Korridoren stabilisieren, wenn Nachfrage und Fiskalpolitik koordinieren.
Mehr zur Frage, ob sich das Wachstum halbiert, bietet die Analyse auf halbiert sich das überhitzte Wachstum.
Sanktionen, Ölpreis und Handelsrouten: Szenarien, Risiken und mögliche Rezession
Handelsrouten, Sanktionen und gezielte Angriffe auf Infrastruktur definieren derzeit mögliche Krisenszenarien. Diese Kombination erhöht operativen Druck auf Logistikketten und die Energieexporte des Landes.

Sanktionsdynamik und Umgehungswege
Nach 2022 greifen umfassende sanktionen und sorgen für stärkeren internationalen Druck. Dual-Use-Komponenten gelangen weiter über Drittstaaten, vor allem China, in die Produktion.
Die Reaktion besteht in verstärkten Kontrollen und Forderungen nach Sanktionen gegen beteiligte Unternehmen. Solche Maßnahmen zielen darauf ab, Umgehungswege zu schließen und Lieferketten zu stören.
Ölpreis- und Rubelrisiken
Ein fallender ölpreis würde Exporterlöse drücken und den rubel schwächen. Das erhöht Importkosten, treibt die Inflation und kann eine Rezession auslösen.
Angriffe auf Raffinerien, den Hafen Ust-Luga oder die Druschba-Pipeline verschärften 2024/25 bereits logistische Probleme. Diese Vorfälle belasten Produktion und Beziehungen mit Handelspartnern.
- Haushalte zahlen bei schwachem Rubel mehr für Importe.
- Hohe Zinsen erhöhen Insolvenzwahrscheinlichkeit in Branchen mit schwacher Kapitalausstattung.
- Begrenzte Reserven verringern fiskalische Reaktionsspielräume.
Für ein detailliertes Update zu Maßnahmen und Folgen siehe das Sanktions-Update. Weiteres zur Datenverarbeitung finden Leser im Datenschutz.
Fazit
Die Konjunkturaussichten für 2025 bleiben gedämpft und verlangen kurzfristig pragmatische Entscheidungen.
Die Zentralbankprognose von 0,5–1,5% Wachstum trifft auf hohe Zinsen und eine hartnäckige Inflation. Fiskalische Einschnitte außerhalb der Militärausgaben und Steuererhöhungen verschärfen den Zielkonflikt der Regierung.
Externe Schocks wie Ölpreisrückgang, verschärfte Sanktionen und Rubelschwäche erhöhen das Risiko einer Rezession oder Stagflation. Entscheider brauchen klare Informationen zu Zins-, Inflations- und Finanzpfaden. Mehr Details zu Arbeitsmarktproblemen finden Leser in unserer Analyse zur russischen Arbeitsmarktlage.
Insgesamt bleibt die Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft kurzfristig begrenzt; die nächsten Jahre entscheiden über Struktur und Dynamik des Landes.

